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PM 8: Stellungnahme zum Artikel "Die Mutter eines Süchtigen klagt an", Hamburger Abendblatt, vom 20. Dezember 2001

21.12.01


Die Drogenpolitik hat versagt

Zu obigem Artikel erklärt John Theisen, Sprecher des "Vereins für Drogenpolitik e.V.": Bedauerlich ist, dass Frau Ilona Z., Mutter eines Drogenabhängigen, lediglich ihren Unmut gegen Kleindealer ablässt, nicht aber die Drogenpolitik als gescheitert anzuklagen vermag. Es sollte bedacht werden, dass es sich bei dem Tod des 19-jährigen Kameruners genauso um eine Tragödie handelt, verursacht durch staaliche Prohibition, wie auch das Elend das Drogenabhängige und deren Familienmitglieder trifft. Erst das vom Staat geschaffene Drogenverbot ermöglichen einen lukrativen Handel mit diesen Substanzen. Daran wird sich nichts ändern solange florierende Schwarzmärkte vom Staat gebilligt werden. Letztendlich richtet die Prohibition mehr Schaden an als der Konsum der vermeintlich bekämpften Substanzen selbst!

In einem Sozialstaat muss gewährleistet sein, dass drogenabhängige Menschen Hilfe bekommen, nicht marginalisiert werden und auch den nötigen psychologischen Rückhalt und eine finanzielle Basis bekommen um ein Leben unter würdigen Bedingungen führen zu können. Dies bedeutet ebenso Ausstand zur Tilgung von Schulden und Strafbescheiden. Es kann nicht sein, dass Menschen in einem Sozialstaat immer wieder von ihrer Vergangenheit eingenommen werden - z. B. durch Haftbefehle wegen säumiger Strafaußenstände - ohne die Chance bekommen zu haben den Teufelskreis endgültig zu durchbrechen.

Süchtig sein muss nicht heissen, wie Frau Ilona Z. schildert, straffällig zu werden, vorbestraft zu sein, verurteilt oder etwa inhaftiert zu werden. Dies sind Folgen einer gescheiterten Politik welche Konsumenten ebenso wie abhängige Kleindealer an den Rand der Gesellschaft treibt, vermögende Drahtzieher des Drogenhandels aber kaum zur Rechenschaft zieht. Genau diese Zustände und das staatlich verursachte Leid gilt es anzuprangern, nicht aber auf Kleindealer - die selbst Opfer einer verfehlten Politik sind - zu schlagen.

John Theisen


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