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PM3: Repnik muss handeln: Konsumraumverordnung überfällig

29.08.01

Vernichtende Studie aus München legt Sozialminister Repnik drogenpolitischen Kurswechsel nahe. Zahl der Drogentoten kann sich durch Konsumräume und Methadonsubstitution reduzieren. Einführung von Konsumräumen gefordert. Repnik blockiert trotzdem weiter die Einführung von Konsumräumen in Baden-Württemberg.

Das renommierte Münchner "Institut für Therapieforschung" wurde vom Sozialminister Repnik selbst mit der seit sechs Wochen unter Verschluss gehaltenen Studie beauftragt: "Analyse der Drogentodesfälle in Baden-Württemberg" vom 12. Juli 2001. Die wichtigste Todesursache ist bei Drogentoten die unbeabsichtigte Überdosis (88 %). Durch rechtzeitig eingeleitete Notfallmassnahmen könnte ein Teil der Drogentoten noch am Leben sein. Entsprechend empfiehlt die Studie die Einrichtung von Konsumräumen: "Eine der wenigen Möglichkeiten der Einflussnahme auf Drogeneinnahme am Ort des Geschehens stellt die Einrichtung von Konsumräumen dar. Diese verhindern einerseits, dass Abhängige in risikobehaftete, unhygienische und stressreiche Nischen ausweichen müssen oder Drogen alleine konsumieren. Andererseits bieten sie die Chance einer längeren Überwachung, verbunden mit der Möglichkeit psychosozialer Intervention bis hin zum Einstieg in den Ausstieg, nicht zuletzt aber die Möglichkeit zur rechtzeitigen medizinischen Hilfeleistung im Notfall." (S. 132) Gleichzeitig widerlegt die Studie aus München anhand der wissenschaftlichen Literatur die wichtigsten Gegenargumente von Sozialminister Repnik:

  • Konsumräume erzeugen keine Szenebildung (laut Polizeiangaben)
  • Konsumräume fördern den Kontakt zur Drogenhilfe
  • Konsumräume reduzieren die Anzahl der Drogentoten

Dazu erklärt Tilmann Holzer, 1. Vorsitzender des "Vereins für Drogenpolitik e.V.":

"Herr Repniks Ankündigung, die Münchner Studie ,ergebnisoffen zu prüfen' ist verantwortungslos und eine Verschwendung von Steuergeldern. Seit erscheinen der Studie gab es allein in Mannheim drei weitere Drogentote, die durch einen bereits bereitstehenden Konsumraum in Mannheim noch leben könnten. Warum gibt der Sozialminister eine wissenschaftliche Studie in Auftrag, wenn er deren Ergebnisse nicht akzeptieren will? Herr Repnik kann nicht weiterhin den Erlass einer Konsumraumverordnung für Baden-Württemberg blockieren, sein Ministerium ist für die Drogenpolitik im Ländle verantwortlich! Der "Verein für Drogenpolitik e.V." fordert Herrn Repnik auf, den Weg für Konsumräume auch in Baden-Württemberg frei zu machen!"

In Deutschland werden bis heute 14 Konsumräume betrieben, erst im Juni hat das CDU-regierte Saarland eine Verordnung zum Betrieb von Konsumräumen erlassen. Bereits 1999 hat sich u.a. die CDU in Südbaden für Konsumräume ausgesprochen.

Tilmann Holzer
1. Vorsitzender des "Vereins für Drogenpolitik e.V."

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Auf Ihren Wunsch senden wir Ihnen gerne eine dreiseitige Zusammenstellung mit den wichtigsten Zitaten der Studie zu (email oder Fax).

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