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Heroinmodellversuch akzeptiert 6000 Drogentote

vom 23.08.2001

Der "Verein für Drogenpolitik e.V." (VfD) erklärt zum heute beschlossenen Start des Heroinmodellversuchs:

Der Heroinmodellversuch kommt zu spät, bereits im Januar 1999 hat die damalige Gesundheitsministerin Fischer einen "raschen" Start angekündigt. Jetzt startet der Modellversuch im Februar 2002, drei Jahre später. Nachdem in Großbritannien, den Niederlanden und der Schweiz Studien zur Heroinvergabe durchgeführt wurden, ist der deutsche Modellversuch eine unnötige Wiederholung. Außerdem ist die Studie zu klein dimensioniert: mit 500 Teilnehmern bei geschätzten 200.000 Heroinabhängigen können nur 0,4 % der Betroffenen teilnehmen. Dadurch hat der Modellversuch praktisch keinen Einfluss auf die jährlich 2.000 Drogentoten. Mit einer Lauftzeit von drei Jahren bedeutet dass bei den heutigen Zahlen 6.000 weitere Drogentote, die akzeptiert werden, bevor tatsächlich an die Betroffenen Heroin vom Arzt verschrieben wird. Daher fordert Tilmann Holzer, der 1. Vorsitzende des "Vereins für Drogenpolitik e.V.": "Schluss mit den Modellversuchen! Notwendig ist jetzt eine Übertragung der Schweizer Erfahrungen auf Deutschland, ohne unnötige Modellversuche. Heroin muss wieder zum verschreibungsfähigen Medikament werden. Das war Heroin, hergestellt von Bayer bereits bis 1971. Es ist jetzt eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes notwendig, die Regierung muss also handeln. Viel einfacher und schneller als der Modellversuch wäre eine Umgruppierung von Heroin aus Anlage eins in Anlage drei (verschreibungsfähig) des Betäubungsmittelgesetzes, dort ist auch Kokain eingeordnet."

Der Modellversuch ignoriert die historischen Fakten vollständig. Heroin ist eine deutsche Erfindung, 1898 von Bayer in Leverkusen entwickelt. Das Deutsche Reich produzierte jährlich bis zu 5.000 kg Heroin, der letzte deutsche Heroinproduzent, Boehringer-Ingelheim, produzierte bis 1954 Heroin. Bis zur Änderung des Betäubungsmittelgesetze am 6. April 1971 war Heroin als "normales" Medikament verschreibungsfähig, jeder Arzt konnte es verschreiben! (BGBl., I, 1971, S. 317f)

Das Management des Heroinmodellversuchs war bis jetzt überaus chaotisch. Wurden 1998 noch bis zu 2.000 Teilnehmer angekündigt, so können jetzt nur noch 500 Abhängige teilnehmen. Die Anzahl der teilnehmenden Städte schwankte in den letzten Jahren ebenfalls erheblich. Die Geheimhaltung der Untersuchung der Ethikkommission durch das Bundesgesundheitsministerium wird vom VfD scharf kritisiert: "Ein Ausschluss der Öffentlichkeit spricht eindeutig gegen die Glaubwürdigkeit des Modellversuchs." Die beabsichtigte Unterschung der unterschiedlichen Behandlungsansätze (psychosoziale Betreuung etc.) ist dagegen positiv zu bewerten.

Tilmann Holzer
1. Vorsitzender des "Vereins für Drogenpolitik e.V."

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