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PM 10: Kripochef Sock soll Prävention Profis überlassen

"Verein für Drogenpolitik e.V." reagiert auf Artikel in den "Peiner Nachrichten" vom 12. April 2002 ("Kann doch ein drittes Übel nicht legalisieren" von Stefani Franzke):

Kripochef Michael Sock aus Peine hat am 12. April behauptet, Cannabis würde die Hemmschwelle für Heroinkonsum absenken. Richtig ist, dass nur zwei bis fünf Prozent der Cannabiskonsumenten später auf Heroin umsteigen, 95 bis 98 Prozent tun dies nicht. Diese Erkenntnis ist nicht neu und wurde u.a. von der Kleiber-Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums bestätigt. Auch das Bundesverfassungsgericht hat sich dieser vorherrschenden wissenschaftlichen Meinung in seinem "Cannabisurteil" von 1994 angeschlossen. Auch der Oberstaatsanwalt Hans Harald Körner, Autor des maßgeblichen Kommentars zum Betäubungsmittelgesetz, bezeichnet die Einstiegsdrogenthese als "Mythos". Kripochef Socks Vermutung, es handle sich hier um eine "Definitionsfrage" ist falsch. Es ist eine Frage der Tatsachen, wieviel Cannabiskonsumenten später Heroin konsumieren, nicht eine der wissenschaftlichen Begriffsabgrenzungen.

Viel schlimmer noch als die mangelhafte Sachkenntnis wiegt jedoch das fehlende Demokratieverständnis des Kripochefs Sock. Er beklagt sich über die "kontraproduktive Diskussion" bezüglich des Cannabisverbotes. Laut dem letzten Jahresbericht des Bundeskriminalamts wurden im Jahr 2000 94.633 Strafverfahren wegen Besitzes "geringer Mengen" von Cannabis eingeleitet. Das sind zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das "Verbrechen" dieser meist jungen Menschen, bestand einzig darin, anstelle von Wein oder Bier das Genussmittel Cannabis gewählt zu haben. Sie haben damit nicht der Allgemeinheit geschädigt. Jeder verantwortungsvolle Bürger muss sich bei diesem Sachverhalt fragen, ob das Cannabisverbot sinnvoll und rechtmässig ist.

Zumindest muss es aber erlaubt sein, eine rationale Diskussion darüber zu führen. Gerade dagegen wehrt sich der Peiner Kripochef jedoch entschieden. Eine lebendige Demokratie lebt aber gerade von diesen Diskussionen in ihrer Zivilgesellschaft, und gerade undemokratische Regime, wie z.B. die DDR haben solche Diskussionen zu unterdrücken versucht, bekanntlich mit wenig Erfolg.

Würde der Peiner Kripochef Sock sich hingegen an der Diskussion innerhalb der Zivilgesellschaft beteiligen, so wüsste er auch, dass seine folgenden Behauptungen über Cannabis nicht dem Stand der wissenschaftlichen Forschung entsprechen:

"Beeinträchtigung der Lungenfunktion, die Erhöhung des Krebsrisikos, Gedächtnisverlust und der Rückzug der Konsumenten aus der Realität." Die aktuellste wissenschaftliche Zusammenfassung und Widerlegung dieser Falschaussagen findet sich bei "Zimmer, L.; Morgan, J. 1997: Marijuana Myths - Marijuana Facts. A review of scientific evidence, New York"; (Lungenfunktion und Krebs: Kap. 15, Gedächtnis: Kap. 7 und 9). Kripochef Michael Sock wäre besser beraten, die Drogenprävention den Profis von der Drogenhilfe in Peine zu überlassen und sein Wissen über Cannabis aufzufrischen. Zu letzterem Zweck übersendet der "Verein für Drogenpolitik e.V." Herrn Sock die Broschüre "Cannabisreform in Deutschland - Argumente und Fakten".

Tilmann Holzer
1. Vorsitzender des Vereins für Drogenpolitik e.V.

www.drogenpolitik.org

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