Neuigkeiten



Neuigkeiten

Unsere Neuigkeiten sind auch in Form eines RSS 2.0 Feeds verfügbar.

Weitere drogenpolitische Neuigkeiten können Sie beim Planet Drogen Projekt finden.

Heroin auf Rezept - bald auch in Lübeck? (2002-05-10)
"Lübecker Nachrichten" am 10.05.02
http://www.ln-online.de/Nachrichten/Lokales/luebeck__767692.htm



Heroin auf Rezept - bald auch in Lübeck?

Von Peter Ringel, LN

Lübeck - Rauschgift vom Arzt: Schon im kommenden Jahr könnten
therapiewillige Süchtige in Lübeck Heroin auf Rezept beziehen. Nach dem
Willen der SPD soll die Hansestadt an einem Modellprojekt zur Heroinabgabe
in Schleswig-Holstein teilnehmen. Lübecker Drogenexperten unterstützen den
Plan, Bedenken kommen aus den Reihen der CDU.

Bonn hat seit März eine Heroinambulanz, in Hamburg sollen Ärzte im August
mit der kontrollierten Abgabe der Droge beginnen, fünf andere Städte folgen.
Schleswig-Holstein soll nach dem Wunsch der SPD nicht außen vor bleiben.
Wolfgang Baasch, sozialpolitischer Sprecher der sozialdemokratischen
Landtagsfraktion und Kreisvorsitzender der Lübecker SPD, sieht eine
"deutliche Mehrheit" in seiner Partei für ein Modellprojekt zur
kontrollierten Abgabe von Heroin. Zwei Standorte für die Heroinabgabe seien
vorstellbar. In Frage kämen neben Lübeck auch Kiel, Flensburg und das
Hamburger Umland. Baasch setzt sich dafür ein, den Modellversuch im
Haushaltsjahr 2003 zu starten und dafür Landesmittel zur Sucht-Prävention
und zur Bekämpfung illegaler Drogen zu verwenden.

Rückendeckung erhält die Initiative von Lübecker Drogenexperten. Für Dr.
Michael Hamschmidt, Leiter des Gesundheitsamtes, hat eine kontrollierte
Heroinabgabe mehrere Vorteile: Die Zahl der Drogentoten würde sinken, weil
eine konstante Reinheit des Heroins gesichert wäre. Süchtige würden sich
seltener mit HIV und Hepatitis infizieren und gesundheitlich stabiler
werden, wenn die Droge unter ärztlicher Aufsicht mit sauberen Spritzen
verabreicht würde.

Für Hamschmidt ist die Heroinabgabe ein "Einstieg in den Ausstieg": Versuche
in der Schweiz zeigten, dass Abhängige ohne den ständigen Druck zur
illegalen Beschaffung der Droge "wieder zu sich selbst kommen" und aus der
Sucht aussteigen könnten. Auch seien dort die Beschaffungskriminalität
zurückgegangen und die Kosten für Krankenversorgung gesunken.
Hans Müller, Leiter der Lübecker Drogenberatungsstelle der
Arbeiterwohlfahrt, hält die kontrollierte Abgabe der Droge ebenfalls für
sinnvoll. Er unterstütze das Projekt aber nur, wenn nicht der Bestand
anderer Hilfs-Angebote gefährdet sei.

Lübecks Gesundheitssenator Wolfgang Halbedel (CDU) steht dem SPD-Vorstoß
skeptisch gegenüber. "Die kontrollierte Heroinabgabe hat sicher viele
positive Auswirkungen", sagte Halbedel. Der von der Bürgerschaft einstimmig
verabschiedete Suchthilfeplan lege aber den Schwerpunkt auf die Bekämpfung
der Alkoholsucht. Ein zusätzliches Modellprojekt wie die Heroinabgabe könne
sich die Stadt angesichts der angespannten Haushaltslage nicht leisten. Die
Bonner Heroinambulanz, in der 100 Abhängige versorgt werden können, kostet
im Jahr 665 000 Euro, von denen die Stadt Bonn 262 000 übernimmt.

Auf die Unterstützung der Landesregierung könnte Baasch offenbar zählen:
Wenn eine Kommune erkläre, dass die Abgabe von Heroin in ihr regionales
Drogenkonzept passe, könne sie mit "unserer vollen Unterstützung" rechnen,
sagt Michael Morsch, Sprecher des Landesministeriums für Gesundheit in Kiel.
ln-online/lokales vom 10.05.2002 08:16