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Gelder gewaschen für Drogenmafia? (2002-05-09)
"Der Landbote" (CH) am 08.05.02
http://www.winti-guide.ch/index.php?rubrik=zuerich&action=details&id=53535



ANKLAGE GEGEN FRÜHERE JURISTISCHE SEKRETÄRIN AM OBERGERICHT

Gelder gewaschen für Drogenmafia?

Laut Bezirksanwaltschaft stand ausgerechnet eine Juristin, die am Zürcher
Obergericht gearbeitet hat, in Verbindung mit der libanesischen Drogenmafia.
Es geht um Geldwäscherei in der Höhe von 45 860 Franken.

ATTILA SZENOGRADY

Die Vorwürfe des zuständigen Bezirksanwaltes Daniel Kloiber sind happig. Die
Abteilung «Organisierte Kriminalität und Betäubungsmitteldelikte» wirft
ausgerechnet einer gestandenen juristischen Sekretärin des Obergerichts
Verbindungen zur libanesischen Drogenmafia vor. Die am vergangenen 5. März
erhobene Anklage spricht von mehrfachen untauglichen Versuchen der
Geldwäscherei. Neben einer Bestrafung mit einer Geldbusse von 1000 Franken
droht der heute 36-jährigen Zürcherin die Bezahlung sämtlicher Gerichts- und
Untersuchungskosten.
Grundlage für den gestern angesetzten Prozess bildete die Anklageschrift,
welche der Beschuldigten mehrere Geldüberweisungen in den Libanon anlastet.
Fest steht, dass sich die Angeklagte Mitte der 90er Jahre in einen
zwielichtigen Zeitgenossen aus dem Nahen Osten verliebt hatte. So hielt sich
der arabische Lebenspartner der erfolgreichen Juristin nicht nur illegal,
sondern auch ohne Arbeitsstelle in der Schweiz auf. Dennoch verfügte der
Mann innert kurzer Zeit über höhere Geldbeträge. Einziges Problem. Er konnte
die Summen unmöglich selber in den Libanon senden.
Dafür sprang offenbar die Angeklagte ein. Bis im Juni 1995 überwies sie via
UBS und Banque Libano-Française den Betrag von 45 860 Franken in den Orient.
Die Gelder flossen an die Adresse des Vaters ihres Freundes. «Die
Angeschuldigte vermutete dabei zumindest, dass dieses Geld aus dem von ihrem
damaligen Lebenspartner betriebenen Handel mit grossen Mengen Heroin
und/oder Kokain stammte, was sie nicht von ihrem Tun abhielt», heisst es in
der Anklage. Durch die Handlungen habe die Frau bewusst etwas gemacht, das
geeignet war, die Ermittlung der wahrscheinlich aus dem Drogenhandel
stammenden Gelder zu vereiteln, heisst es weiter.

Zeitgewinn für Verteidigung
Am gestrigen Prozessbeginn kam es allerdings zu einer Überraschung. So wurde
den vor dem Gerichtssaal wartenden Journalisten kurzfristig mitgeteilt, dass
die Verteidigung kurz vor der Verhandlung neue Anträge gestellt hatte. Mit
Erfolg. So soll trotz der bereits erhobenen Anklage noch einmal
grundsätzlich über das Eintreten auf das Verfahren befunden werden. Das
bedeutet für die Verteidigung im besten Fall eine Einstellung des
Verfahrens. Im schlimmsten Fall einen wertvollen Zeitgewinn bezüglich
Verjährung. Der zuständige Gerichtssekretär teilte jedenfalls mit, dass die
Angeklagte nicht geständig sei. Sicher ist auch, dass die Beschuldigte seit
kurzem nicht mehr am Zürcher Obergericht tätig ist.