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Senat plant Geld für "Fixerstuben" ein (2002-04-30)
"Welt" am 30.04.02
http://www.welt.de/daten/2002/04/30/0430b01329484.htx



Senat plant Geld für "Fixerstuben" ein

Die Experten sind sich über den Nutzen einig, die CDU fürchtet ein Wachsen
der Drogenszene
Von Joachim Fahrun

Der rot-rote Senat untermauert seinen Kurswechsel in der Drogenpolitik:
Trotz Haushaltskrise steht Geld bereit, um nächstes Jahr Fixerstuben
aufzubauen. Drogenkoordinatoren aus vier Innenstadtbezirken und freie Träger
sind von der Gesundheitsverwaltung aufgefordert, bis zur zweiten Lesung des
Landeshaushaltes im Juni ein konkretes Konzept für Drogenkonsumräume
vorzulegen und ihren Finanzbedarf zu konkretisieren. In diesen Räumen können
sich Süchtige unter hygienischen Bedingungen selbst mitgebrachtes Rauschgift
verabreichen.

Berlin passt damit unter der Regie von PDS-Gesundheitssenatorin Heidi
Knake-Werner seine Drogenpolitik anderen Großstädten wie Hamburg und
Frankfurt an, wo Fixerstuben seit Jahren als Anlaufstelle für Heroinsüchtige
dienen. Die Allianz der Kommunalpolitiker für diese Liberalisierung der
Drogenpolitik überspringt die Parteigrenzen: Beteiligt sind die
SPD-regierten Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg,
das PDS-geführte Friedrichshain-Kreuzberg sowie Mitte mit CDU-Bürgermeister
Joachim Zeller. Laut Schulte-Sasse stehen im Etatentwurf in diesem Jahr 30
000 und 2003 dann 102 000 Euro für die Investitionskosten bereit.

Diese Summe würde nach Expertenrechungen knapp ausreichen, um einen Raum
einzurichten. Betriebskosten wären noch nicht enthalten. Bisher wird in der
Senatsbehörde die Variante eines festen Druckraums am Kottbusser Tor und
eines mobilen Drogenbusses bevorzugt. Der Bus soll die Szene bedienen, die
sich ständig entlang der U-Bahnlinie 9 zwischen Zoo, Moabit und Wedding
verschiebt. Die Initiative "Druckräume jetzt", getragen durch
Kommunalpolitiker von SPD, Grünen und PDS, hat andere Wunschvorstellungen:
Ab 2004 sollte es drei feste Konsumräume sowie ein Konsummobil geben, Kosten
425 000 Euro pro Jahr. Im Gegenzug würde bei der Drogen-Notfall-Rettung
gespart.

Vergangenes Jahr wurden in Berlin knapp 1000 Fälle von
Betäubungsmittelvergiftungen registriert, Tendenz leicht sinkend.
Schwerpunkte waren Kreuzberg, Neukölln und Charlottenburg. Wie viel Geld
kurzfristig für Fixerstuben fließt, müssen nun die Abgeordneten entscheiden.
Schulte-Sasse verwies darauf, dass Fachleute über den Sinn von Konsumräumen
einig seien.

Die CDU befürchtet, mit Fixerstuben eine offene Drogenszene anzuziehen, wie
sie es in Berlin bisher nicht in größerem Ausmaß gebe. Die wenigen Kritiker
aus der Suchthilfe meinen, Heroin sei ein zurückgehendes Phänomen. Man solle
das Geld lieber gegen den wachsenden Konsum von Designer-Drogen wie Ecstasy
einsetzen.