Neuigkeiten



Neuigkeiten

Unsere Neuigkeiten sind auch in Form eines RSS 2.0 Feeds verfügbar.

Weitere drogenpolitische Neuigkeiten können Sie beim Planet Drogen Projekt finden.

Die Jagd nach Heroin hat ein Ende (2002-04-25)
"Bonner General-Anzeiger" am 25.04.02
http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/artikel.php?id=44398



Die Jagd nach Heroin hat ein Ende

Seit Anfang März läuft in Bonn eine weltweit einzigartige Arzneimittelstudie
für Schwerstheroinabhängige - Pädagogen und Mediziner melden erste Erfolge
Von Frank Vallender
Bonn. Das Interesse ist enorm. Bis nach Japan und Korea hat sich die
Heroinstudie herumgesprochen. Ein japanischer TV-Sender berichtete darüber,
und auch die koreanische Polizei zeigte Interesse an dieser weltweit
einzigartigen Studie, die seit Anfang März in Bonn läuft:
Schwerstdrogenabhängigen wird Heroin als Medikament verabreicht und
psychosoziale Betreuung zuteil, damit sie irgendwann wieder ein normales,
möglichst heroinfreies Leben führen können (der GA berichtete).

Vorbehalte gegen die Studie gab und gibt es vor allem bei der CDU. Die
Anwohner des Bonner Annagrabens befürchteten, dass mit den Patienten der
Heroinambulanz die Drogenszene in ihre Straße kommt. Das hat sich bislang
nicht bewahrheitet: Seit Anfang März kommen Abhängige aus ganz Bonn drei Mal
am Tag in die Poliklinik, um sich unter medizinischer Obhut ihren Schuss zu
setzen.

Doch dank einer strengen Hausordnung ist ihnen die Szene, anders als
befürchtet, nicht gefolgt: "Die Tür am Annagraben wird videoüberwacht. Damit
können wir kontrollieren, ob die Probanden alleine hierher kommen", erklärt
Martin Schwaab, Drogenkoordinator der Stadt Bonn. "Und nach der Injektion
des Heroins und einer Ruhezeit müssen sie die Ambulanz Richtung
Wilhelmstraße verlassen."

Ein Nichtbeachten dieser Ordnung hätte Konsequenzen bis hin zum Ausscheiden
aus der Studie. Und das scheint - bislang - keiner zu wollen. Im Gegenteil:
Die Motivation, langfristig vom Heroin loszukommen, sei sehr hoch. Die
heroingestützte Behandlung ist für viele der letzte Strohhalm. Martin
Schwaab, Prüfarzt Dr. Dirk Lichtermann vom Universitätsklinikum und
Diplom-Pädagogin Linde Wüllenweber von der Diakonie zeigen sich denn auch
bislang "absolut zufrieden" mit dem Verlauf der Studie.

Trotz aller bislang an den Tag gelegten Disziplin der Patienten ist die
Heroinabgabe streng kontrolliert und gesichert: In einem mannshohen Tresor
lagert das reine Heroin. Das medizinische Team zieht die Spritzen auf und
gibt sie - wie an einem Bankschalter - durch eine schusssichere Lade
hindurch an die Probanden im Konsumraum. So soll verhindert werden, dass
sich die Suchtkranken - unter Umständen mit Gewalt - mehr "Stoff" als nötig
besorgen.

Wie viele Studienteilnehmer es mittlerweile gibt, will Lichtermann nicht
verraten. "Gäben wir das bekannt, könnte die Motivation, sich zu bewerben,
sinken", sagt er. Denn noch ist man auf der Suche nach Probanden.
Wüllenweber verzeichnet bereits sechs Wochen nach Studienbeginn ermutigende
Erfolge: "Da die Straßenjagd nach Heroin ein Ende hat, haben die Klienten
endlich Zeit, sich um wichtige und elementare Dinge des Lebens zu kümmern."
Das fängt mit dem täglichen Waschen an. Gerade den obdachlosen Patienten ist
der Duschraum in der Ambulanz willkommen.

Die in der Arbeit mit Drogenabhängigen erfahrene Frau staunt selbst über die
Fortschritte in der kurzen Zeit: "Auf Initiative einiger Probanden findet im
Warteraum mittlerweile ein Sonntagsfrühstück statt. Sie kümmern sich sogar
darum, dass frische Blumen auf dem Tisch stehen", berichtet Wüllenweber.
Probanden fingen bereits nach kurzer Zeit an, sich wieder für das
alltägliche Leben zu interessieren - "woran sie früher aufgrund der Jagd
nach Heroin gar keine Gedanken verschwenden konnten."

Auch Lichtermann meldet bislang einen reibungslosen medizinischen Verlauf.
Die eigentliche Auswertung der Studie beginnt aber frühestens nächstes Jahr.
Für die Studie können sich unter (02 28) 2 87 22 78 weiterhin Bonner
Heroinabhängige bewerben.