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Ärzte verzweifelt gesucht (2002-04-25)
"Hamburger Abendblatt" am 25.04.02

http://www.abendblatt.de/bin/ha/set_frame/set_frame.cgi?seiten_url=/contents
/ha/news/lokales/html/250402/1325HERO16.HTM



Ärzte verzweifelt gesucht

Heroinambulanz: Die Jobs gelten für viele als unattraktiv. Jetzt sollen
Bewerber mit einer Beschäftigungsgarantie angelockt werden.


Von Jens Meyer-Wellmann

Der Standort steht fest, die erste Finanzierungsrate von 1,9 Millionen Euro
ist ausgezahlt - aber jetzt gibt es neue Probleme für die geplante Hamburger
Heroinambulanz: Das Personal fehlt. Zehn Ärzte, 21 Arzthelfer und Pfleger,
14 Sozialpädagogen und drei Hausmeister sollen ab August am Högerdamm
230 Heroinabhängige mit legalem Stoff versorgen. Bisher aber konnte die
Projektleiterin Karin Bonorden-Kleij erst einen Arzt einstellen - Ärzte sind
knapp, und die Arbeit mit verelendeten Abhängigen ist nicht für jeden
attraktiv. Auf eine kürzlich geschaltete Anzeige meldete sich nicht ein
einziger Mediziner.

"Wir brauchen schon im Mai dringend drei Ärzte", sagt Bonorden-Kleij. "Denn
es müssen ja schon vor Beginn des Projektes die geeigneten Abhängigen für
das Projekt ausgewählt werden."

Auch für die 21 Helferstellen gibt es bisher kaum Bewerbungen. Allein
Sozialpädagogen haben sich massenhaft beworben. Um die Attraktivität auch
der medizinischen Stellen zu steigern, hat der Landesbetrieb Krankenhäuser
(LBK), der die Heroinambulanz betreibt, nun eine Beschäftigungsgarantie
abgegeben. Wer einen befristeten Vertrag für die Heroinambulanz
unterschreibt, soll auch nach Ende der Studie vom LBK weiterbeschäftigt
werden.

"Ärzte sind Mangelware, das merken auch wir", sagt Projektleiterin
Bonorden-Kleij. "Aber ich bin zuversichtlich, dass wir noch genügend
Mediziner finden. Denn die Arbeit in der Heroinambulanz ist auch eine gute
Gelegenheit für Berufseinsteiger."

Auch bei der Gesundheitsbehörde ist man guten Mutes, dass das Projekt, das
Hamburg 13,2 Millionen Euro kostet, pünktlich beginnen kann. "Mit dem Bau
der Ambulanz am Högerdamm sind wir voll im Plan", sagt Behördensprecher
Volker Dumann. "Die Ausschreibungen laufen. Im August wird der Bau fertig
sein."

Ob es bis dahin auch genügend Hamburger Teilnehmer an der Studie gibt, ist
allerdings unklar. Bundesweit sollen 1120 Opiat-Abhängige in sieben Städten
an dem Pilotversuch teilnehmen - allein 460 davon in Hamburg. Die Hälfte der
Teilnehmer bekommt für drei Jahre dreimal täglich Heroin verabreicht, die
andere Hälfte Methadon. Wer welchen Stoff bekommt, wird per Los entschieden.
So soll verglichen werden, welche Gruppe sich besser entwickelt. Das Problem
an der Sache: Die meisten Abhängigen ziehen reines Heroin vor. Denn Methadon
verhindert zwar die Entzugserscheinung - den "Kick", also den echten
Opiat-Rausch, bekommen die Süchtige aber nur vom Heroin. Deswegen fürchten
Experten, dass Probanden, die in die Methadon-Gruppe gelost werden, wieder
aussteigen.

"Wir müssen ehrlich an die Sache herangehen", fordert CDU-Drogenexperte
Dietrich Wersich. "Die Leute dürfen nicht unter falschen Voraussetzungen in
das Projekt gelockt werden." Die Veränderung der Szene durch den
Crack-Konsum könne dazu führen, dass man zu wenig Teilnehmer finde, so
Wersich. "Letztlich kommt das Projekt zu spät."

Projektleiterin Bonorden-Kleij ist dennoch zuversichtlich. Schon bald werde
man nach Probanden suchen. Dazu würden Krankenhäuser, Arztpraxen und
Einrichtungen informiert. Und, so die Ärztin, "wir werden Info-Tische in der
Drogenszene aufstellen".