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Im Mai erste Anmeldungen zum Heroinprojekt (2002-04-25)
"Welt" am 25.04.02
http://www.welt.de/daten/2002/04/25/0425h1328434.htx



Im Mai erste Anmeldungen zum Heroinprojekt

Studienleiterin: Teilnehmerzahl möglicherweise geringer als erwartet, LBK
sucht Mitarbeiter

Von Christoph Kapalschinski

Steinig war der Weg zur Heroinambulanz, doch jetzt soll es schnell gehen: In
zwei Wochen können sich die ersten Abhängigen für die umstrittene
Rauschmittel-Vergabe in einem Modellversuch melden. Das kündigten die
Projektleiter vom LBK am Mittwoch an, nachdem die Gesundheitsbehörde bereits
Anfang des Monats grünes Licht für den Standort Hammerbrook gegeben hatte.
Die Diskussion um die Studie, die mehrfach kurz vor dem Aus stand, bereitet
jetzt noch Probleme.

"Wir machen uns Sorgen, wie wir bis zum definitiven Start im Herbst
geeignetes Personal finden", erklärte Klaus Behrendt, Ärztlicher
Geschäftsfüher der LBK-Tochter Drogenambulanzen Hamburg GmbH. Die Querelen
hätten potenzielle Bewerber verschreckt. Knapp zehn Ärzte, 21
Arzthelferinnen und 14 Sozialpädagogen sollen für eineinhalb bis drei Jahre
in dem Projekt arbeiten. Dennoch: "Wir können bis zum 1. August so weit
sein, weil nicht sofort der Vollbetrieb einsetzen wird", zeigte sich
Projektleiterin Karin Bonorden-Kleij optimistisch. Dank einer Vorauszahlung
über 1,9 Millionen Euro, die die Gesundheitsbehörde dem LBK bereits
überwiesen habe, könnten jetzt Arbeitsverträge geschlossen werden. Im Mai
will auch die Gesundheitsbehörde ihren Vertrag mit dem LBK unterzeichnen -
wenn die Bürgerschaft die Mittel, die zur Zeit noch gesperrt sind, frei
gibt. Insgesamt liegen die Betriebskosten für die Station bei 13 Millionen
Euro.

Mit noch größeren Schwierigkeiten als bei der Personalsuche rechnen die
Projektleiter bei der Rekrutierung der angestrebten 460 Teilnehmer. Die
Hälfte von ihnen soll in der Station Heroin erhalten, die andere Hälfte als
Vergleichsgruppe in den bestehenden Einrichtungen Methadon. Damit sollen in
Hamburg 40 Prozent der 1120 Teilnehmer in sieben deutschen Städten gefunden
werden. Keine einfache Aufgabe: "Es kann sein, dass wir nicht genug
Interessenten finden", schränkte Bonorden-Kleij ein. In Bonn, wo die Studie
bereits angelaufen ist, zeige sich dasselbe Problem. Grund: Zielgruppe des
Projektes sind neben Abhängigen, bei denen eine Methadon-Behandlung
fehlschlägt, diejenigen Junkies, die bisher keine Hilfe in Anspruch nehmen.
Angesprochen werden sollen diese Schwerstabhängigen ab Anfang Mai über
Info-Tische und Flugblätter in der Nähe von Szenetreffpunkten. Zudem wollen
die Organisatoren mit der Polizei zusammenarbeiten, um mögliche Teilnehmer
gezielt anzusprechen. Interessenten können sich zudem über eine Hotline
melden, deren Nummer Anfang Mai bekannt gegeben wird. Voraussetzungen für
die Aufnahme in das Projekt sind Kriterien wie ein Mindestalter von 23
Jahren, eine wenigstens fünfjährige Abhängigkeit und Hamburg als
Lebensmittelpunkt.

Auch wenn sich genügend freiwillige Teilnehmer melden, sieht die
Projektleiterin ein Problem: "Es wird schwierig, die Patienten, die per
Losentscheid als Kontrollgruppe ausgewählt werden, zum Bleiben zu
motivieren." Für diese Menschen bedeute eine Methadon-Behandlung keinen
Fortschritt, hätten sie doch häufig mehrere abgebrochene Therapien hinter
sich. Einzige Anreize: Im Projekt finden sie bessere Betreuung und die
Chance auf einen Nachrückplatz in der Heroinvergabe.

Nachdem der alte Senat mit seinen Vorschlägen für Standorte in Eimsbüttel
und in Hohenfelde an Anwohnerprotesten gescheitert war, hatte die
Gesundheitsbehörde unter dem neuen Senator Peter Rehaag für dreieinhalb
Jahre ein Bahn-Grundstück am Högerdamm angemietet. Ab Herbst wird hier die
Ambulanz in Containern untergebracht. Nach Schätzungen der
Gesundheitsbehörde kosten Bau und Erschließung rund 1,9 Millionen Mark. Drei
Mal täglich erhalten die Süchtigen hier von 7 bis 22 Uhr reines
synthetisches Heroin, Tagesration ein halbes Gramm. Mit einer strengen
Hausordnung wollen die Betreiber sicher stellen, dass keine offene Szene
entsteht. Das weltweit größte Projekt dieser Art wird insgesamt rund drei
Jahre laufen. Ziel ist, die Eignung von Heroin für Süchtige als Arznei
auszutesten.