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Vergewaltigung statt Hilfe (2002-04-16)
"Sueddeutsche" am 16.04.02
http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel141434.php




15-jährige Drogensüchtige sucht Schutz bei einem Polizisten

Vergewaltigung statt Hilfe

Wiesn-Beamter soll junge Prostituierte missbraucht haben ­ auch drei Männer
wegen Zuhälterei verhaftet


Von Christian Rost

Eine 15-Jährige ist von Zuhältern drogenabhängig gemacht und über Jahre
hinweg in München zur Prostitution gezwungen worden. Als sie sich in ihrer
Not während eines Wiesn-Besuches an einen Polizisten wandte, nutzte dieser
ihre Notlage offenbar aus und vergewaltigte sie. Der Beamte und drei der
Zuhälterei beschuldigten Männer wurden jetzt festgenommen.

Die Jugendliche stammt aus einer kleinen Stadt in Niederbayern. Im Dezember
2000 lernte sie Polizeiangaben zufolge einen damals 25 Jahre alten Iraker
kennen und verliebte sich in ihn. In der Folgezeit verbrachte sie die
Wochenenden bei dem Mann in München. Mit einem 22-jährigen Iraker und einem
Türken, 40, soll er sie dabei immer wieder unter Drogen gesetzt und damit
gefügig gemacht haben. Die Männer verabreichten ihr den Ermittlungen zufolge
Ecstasy, Kokain und Heroin. Nachdem sie durch den Drogenkonsum abhängig
geworden war, zwang sie der 25-Jährige zur Prostitution. Vor allem im Umfeld
des Münchner Hauptbahnhofs wurde sie auf die Suche nach Freiern geschickt.
Die Einnahmen aus der Prostitution musste sie bei ihrem Freund und dessen
Bekannten abgeben. Weigerte sie sich, schlugen sie die Männer. Auch ein Fall
von Vergewaltigung wird den Festgenommenen vorgeworfen.

Im Herbst 2001 konnte sich die 15-Jährige trotz massiver Drohungen von den
Zuhältern lösen ­ von den Drogen jedoch nicht. In München und Frankfurt ging
sie weiter auf den Strich. Mehrmals fiel sie in den beiden Städten im
Prostitutions- und Rauschgiftmilieu auf, wie Kriminaldirektor Bernhard Parma
berichtet. Einweisungen in Heime und Entziehungseinrichtungen verliefen ohne
Erfolg. Das Mädchen wurde stets nach wenigen Tagen wegen Rauschgiftkonsums
entlassen oder flüchtete. Dennoch versuchte es mehrfach, das Leben im Milieu
zu beenden. Schon in Frankfurt suchte es die Nähe zu Polizisten, die es für
mehrere Tage aufnahmen und versorgten. Auch in München, während eines
Oktoberfestbesuchs am 29. September 2001, wandte sich die Jugendliche an
einen Beamten. Diese Begegnung hatte fatale Folgen.

Der 34-jährige Polizeiobermeister, Angehöriger einer Einsatzhundertschaft,
entdeckte das Mädchen gegen 22 Uhr vor einem Wiesn- Festzelt. In dem
folgenden Gespräch äußerte die 15-Jährige, sie habe keinen Schlafplatz. Der
Polizist bot ihr daraufhin an, in seiner Wohnung übernachten zu können, und
brachte sie zusammen mit einem Kollegen in einem Streifenwagen dorthin. Es
handelt sich um ein so genanntes Ledigenzimmer, das sich der verheiratete
Mann für seinen Dienst in München gemietet hatte. Den Ermittlungen des
Kommissariats für Beamtendelikte zufolge soll er nach Dienstschluss, gegen 2
Uhr, dorthin gekommen sein und sich an dem Mädchen vergangen haben ­ obwohl
er dessen Vorgeschichte kannte und obwohl es mehrmals darum bat, mit dem
Geschlechtsverkehr aufzuhören. Nach einem zweiten Treffen mit dem Mann, bei
dem es offenbar erneut zu Intimitäten kam, wollte die 15- Jährige ihn nicht
wieder sehen.

Bekannt wurden ihr Schicksal und damit der Übergriff des Polizisten in
Hessen. Dort wurde sie vor kurzer Zeit von Polizisten im Milieu
aufgegriffen. Beim Verhör berichtete sie von der Vergewaltigung. Die
Münchner Behörden leiteten sofort ein Ermittlungsverfahren ein. Am Mittwoch
vergangener Woche wurde der Polizeiobermeister festgenommen ­ er will sich
zu den Vorwürfen nur über seinen Anwalt äußern. Einen Tag später erfolgte
eine Durchsuchungsaktion, an der 40 Beamte und zwei Staatsanwälte beteiligt
waren, bei dem Iraker und seinen Freunden. Die der Justiz wegen Sexual- und
Rauschgiftdelikten bekannten Männer befinden sich ­ wie der Polizist ­
seither in Untersuchungshaft. Um das Mädchen kümmert sich seine Mutter.