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Mohnbauern blockieren Strasse (2002-04-09)

Afghanische Flüchtlinge stecken fest

Protestierende Mohn-Bauern und Gefechte verhindern Heimkehr von Zehntausenden

Proteste von Drogenbauern an der Ostgrenze Afghanistans und Kämpfe an der Westgrenze haben nach UN-Angaben die Rückkehr von Flüchtlingen aus Iran und Pakistan gestoppt.

KABUL/CHAMAN/WASHINGTON, 9. April (dpa/rtr/afp). Im Osten steckten rund 40 000 Flüchtlinge fest, berichtete ein Sprecher des Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) am Dienstag in Kabul. Mohn-Bauern blockierten rund 700 Fahrzeuge und 14 000 Flüchtlinge auf der Straße zwischen dem pakistanischen Grenzposten Torkham und der ostafghanischen Stadt Dschalalabad. Sie protestierten gegen das Verbot der Regierung Schlafmohn anzubauen. Mohn wird zur Herstellung von Opium, dem Grundstoff für Heroin, benutzt.

Bis zu 25 000 Flüchtlingen säßen auf der pakistanischen Seite der Grenze fest, sagte der UN-Sprecher weiter. Dort hätten Demonstranten aus Protest gegen Stromkürzungen die Straße blockiert. Weil die Rechnungen nicht bezahlt seien, sei der Strom in der Gegend gekappt worden. Im Westen verhinderten Kämpfe zwischen einer Miliz der Interimsregierung und einem lokalen Gegner, dass die Rückkehr von Flüchtlingen aus Iran beginnen konnte. Aus Sarandsch, dem Grenzort zwischen der Provinz Nimros und Iran, wurden Schießereien und Explosionen gemeldet. Die UN berichteten, ihre Mitarbeiter seien angewiesen worden, "nicht aus dem Haus zu gehen".

Mutmaßlich Taliban-Kämpfer haben der Bevölkerung in Südafghanistan auf Flugblättern mit Vergeltung gedroht, wenn sie bei der Suche nach Kämpfern der Taliban oder Al Qaeda helfen sollten. "Die amerikanischen Truppen werden früher oder später das Land verlassen, aber Ihr werdet hier bleiben", heißt es auf einem Flugblatt. Bewohner der Region um den Grenzort Spinboldak berichteten, sie hätten die Flugblätter vor ihren Häusern gefunden. Ladenbesitzer sagten, die Warnungen seien mit Kreide auf ihre Rollläden geschrieben worden. Spinboldak liegt an der Grenze zu Pakistan.

Nach dem Anschlag auf den afghanischen Verteidigungsminister Mohammed Kasim Fahim bezeichneten die USA eine längerfristige Stationierung von US-Truppen in Afghanistan als denkbar. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, US-Soldaten könnten mindestens so lange bleiben, bis eine afghanische Armee trainiert sei und ein Wiedererstarken der Taliban und des Al-Qaeda-Netzwerks verhindern könne. Washington kündigte an, im Rahmen des so genannten Anti-Terror-Einsatzes 150 Soldaten nach Jemen zu entsenden. Sie sollten die dortigen Regierungstruppen trainieren und unterstützen.

Ein britischer Soldat der internationalen Schutztruppe Isaf in Kabul erlitt eine schwere Schussverletzung. Ein Isaf-Sprecher sagte, es seien "keine außen stehenden Kräfte beteiligt" gewesen. Offen blieb aber, ob es sich um einen Unfall handelte.

Die Übergangsregierung in Kabul will die von den Taliban zerstörten 1500 Jahre alten Buddha-Statuen von Bamian rekonstruieren. Das kündigte Interimspremier Hamid Karsai in der Stadt an.

Siehe auch das FR-Spezial Was wird aus Afghanistan?

document info ] Copyright © Frankfurter Rundschau 2002 Dokument erstellt am 09.04.2002 um 21:05:04 Uhr Erscheinungsdatum 10.04.2002