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Nationalratsmitglieder verteidigten Hanfpflanzer (2002-04-05)

Pubdate: 05. April 2002 Source: Tages Anzeiger Copyright: © TAMedia AG Contact: redaktion@tages-anzeiger.ch Website: http://www.tagi.ch Notes: http://www.tages-anzeiger.ch/ta/taOnlineArtikel?ArtId=177311

Nationalratsmitglieder verteidigten Hanfpflanzer

Während vier Jahren haben drei Brüder im Aargau in grossem Stil Hanf mit einem hohen THC-Gehalt angebaut. Am Donnerstag standen sie in Baden vor Gericht, verteidigt von den Nationalratsmitgliedern Luzi Stamm (SVP) und Doris Leuthard (CVP).

Der Staatsanwalt fordert für die wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz Zuchthausstrafen von je vier Jahren, zwischen 20?000 und 30?000 Franken Busse sowie die Abgabe von je 500?000 Franken. Das Urteil steht noch aus, es wird erst am Freitagnachmittag eröffnet. Gemäss Anklage hatten der 37-jährige Kaufmann, der 39-jährige Gärtner und der 26-jährige Pflegeassistent zwischen 1996 und 2000 in den argauischen Ortschaften Stetten, Wohlenschwil, Othmarsingen, Niederrohrdorf, Dottikon und Wohlen «im Tonnenbereich» Hanf mit einem THC-Gehalt von bis zu 24 Prozent angebaut. Abgesetzt wurden die Cannabisprodukte an Landwirte und Hanfläden.

Der Handel mit «hochwertigen Setzlingen» und Cannabis-Produkten wurde zu einem einträglichen Geschäft. In den Jahren 1998 und 1999 erzielte das Trio mit seiner Aktiengesellschaft einen Umsatz von rund 6 Millionen Franken und ein Jahreseinkommen von je 220?000 Franken.

In Spitzenzeiten beschäftigten die Hanfgärtner bis zu 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon wurde ein Grossteil offiziell durch das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) rekrutiert. Zudem wurden rund 5000 Hanf-Duftsäckchen in der Strafanstalt Hindelbank genäht.

Die Angeklagten waren sich bewusst, dass sie sich mit dem Hanfanbau in einer Grauzone bewegten. Im Hinblick auf «die sich abzeichnende Liberalisierung von Cannabis» wollten sie sich jedoch eine Leaderposition in der Schweiz sichern, wie sie vor Gericht erklärten.

Die Verteidigung fordert für die Angeklagten übereinstimmend eine bedingte Gefängnisstrafe von 18 Monaten, Bussen von je 30'000 Franken sowie die Abgabe von je 100'000 Franken. Ein Schuldspruch müsse auf Grund der bestehenden Gesetzgebung erfolgen, der Antrag der Anklage sei jedoch «völlig grotesk», erklärte Doris Leuthard.

Luzi Stamm kritisierte insbesondere die Behörden, die über den Hanfanbau sehr wohl im Bild gewesen seien, aber während vier Jahren nichts unternommen hätten. Bei der Strafzumessung gelte es zudem in Rechnung zu stellen, dass bezüglich Konsum und Anbau von Cannabis eine grosse Rechtsunsicherheit bestehe. (sda)