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Nächstes Jahr sollen wieder Hanftage in Passau sein (2004-02-16)
Pubdate: 16. 02. 2004
Source: Passauer Neue Presse
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Nächstes Jahr sollen wieder Hanftage in Passau sein

Veranstalter trotz der nur 50 Demo-Teilnehmer zufrieden - Streetworkerin widerspricht Initiatoren: „Legalisierung wäre das falsche Signal“

von Bastian Hartig

Ohne Zwischenfälle sind am Wochenende die ersten Passauer Hanftage zu Ende gegangen. "Es ist alles supergut gelaufen", so Veranstalter Sokratis Zacharopoulos vom "Bündnis für einen verantwortungsvollen Umgang mit Drogen". Auch etwaige Befürchtungen der Ordnungskräfte haben sich nicht bewahrheitet: "Es ist nichts passiert", hieß es gestern in der Einsatzzentrale der Polizeidirektion.

Drei Tage dauerte die Aktion im Zeichen der umstrittenen sieben-fingrigen Blätter. Zum Auftakt der Hanftage lief im Scharfrichterhaus bereits am Donnerstagabend der Dokumentarfilm "Haschisch" über Hanf-Anbau in Marokko. Am Freitag lieferten sich Gegner und Befürworter der Legalisierung von Hanf einen teils heftigen Schlagabtausch bei einer Podiumsdiskussion im Café Unterhaus. Und zum Abschluss forderten am Samstagnachmittag rund fünfzig Demonstranten bei einem Protestmarsch durch die Innenstadt die Freilassung aller "Hanfgefangenen".
Aus ganz Deutschland waren Befürworter der Hanf-Legalisierung gekommen, um von Passau aus ihr Anliegen publik zu machen. "Wir wollen zu kontroversen Diskussionen anregen", erklärt Sokratis Zacharopoulos.

Das ist ihm am Samstag im Café Unterhaus gelungen. Nach den Absagen prominenterer Legalisierungsgegner aus der Politik wie der drogenpolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, MdB Gerlinde Kaupa (CSU), und von MdB Andreas Scheuer (CSU) traute sich Armin Dickl von der Jungen Union Passau als einziger, den Hanf-Befürwortern auf dem Podium Contra zu geben. "Ich bin froh, dass überhaupt jemand aus dem Lager der CSU gekommen ist", sagte Zacharopoulos. "Außer Herrn Dickl hatte ja angeblich leider keiner Zeit, mit uns zu reden."
Dafür fanden sich im Publikum einige kritische Gegenstimmen. "Ich sehe jeden Tag, was Drogen aus jungen Menschen machen", sagte die Passauer Streetworkerin Ilonka Polyvas-Peter. "Die driften völlig ab. Eine Legalisierung wäre das völlig falsche Signal."

Tilmann Holzer, Drogenexperte vom "Verein für Drogenpolitik" in Mannheim, ist da völlig anderer Ansicht. "Ein Verbot verhindert doch gerade den wirksamen Jugendschutz", so Holzer. "Jugendliche trauen sich nicht einmal, mit ihren Eltern über das Thema zu sprechen. Und wenn sie dann erst mal als Junkies bei den Streetworkern gelandet sind, ist der Zug schon abgefahren." Holzer plädierte für den legalen Verkauf von Cannabis in speziellen Drogenfachgeschäften.
Das meinte auch Carsten Labudda, drogenpolitischer Sprecher des sozialistischen Jugendverbandes Solid. "Härtere Strafen schrecken niemanden ab", argumentierte Labudda, "der Ursprung für die Sucht liegt oft in familiären Problemen, da müsste man ansetzen."

Gehör für ihre Forderungen versuchten sich rund 50 Kiffer am Samstag bei einem Protestmarsch durch die Passauer Innenstadt zu verschaffen. Mit Parolen wie "Freiheit allen Hanfgefangenen" und "Gebt Hanf frei" stießen sie bei den Passanten aber eher auf Unverständnis. "Eine süße kleine Demo", befand der Jura-Student Christian Schultheiß. "Ein bisschen lächerlich, wenn nur so wenige demonstrieren", so der 23-Jährige. Zum Thema habe er jedoch "keine Meinung".
Anders Maria Gleißner. "Mein Sohn war jahrelang drogensüchtig, und mein Neffe hat sich wegen Drogen umgebracht", schilderte die dreifache Mutter ihren Zorn. "Da braucht mir niemand erzählen, das Zeug wäre nicht gefährlich."

Veranstalter Zacharopoulos zeigte sich mit der Resonanz dennoch zufrieden. "Die Hanftage waren ein voller Erfolg, und auch das Verhältnis zur Polizei war sehr entspannt", sagt er. "Wir werden auf jeden Fall auch nächstes Jahr wieder nach Passau kommen."