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VfD: "Erster Sindelfinger Hanftag dient der Information" (hg, 2003-11-10)

Erster Sindelfinger Hanftag dient der Information

Böblinger Zeitung

"Haschisch ist sicher nicht nur harmlos"

Sindelfingen - Zum ersten Mal seit seiner Gründung organisierte der Verein für Drogenpolitik Sindelfingen (VfD) eine eigene Veranstaltung. Der erste Sindelfinger Hanftag sollte der Bevölkerung einen Einblick in die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten des Nutzhanfs geben und Konsumenten über Probleme beim Rauchen von Cannabis informieren.

"Alle Produkte, die wir hier ausstellen, sind aus Nutzhanf. Dieser darf einen maximalen THC-Gehalt von 0,3 Prozent haben", stellte Rolf Galgenmayer-Quatz, Vorstandsmitglied im VfD, mit Blick über das vielfältige Hanf-Sortiment fest.

THC, dahinter verbirgt sich der Wirkstoff Tetrahydrocannabiol. Er sorgt im Cannabis für die berauschende Wirkung. Dass der Hanf davon abgesehen eine Fülle weiterer Verwendungsmöglichkeiten bietet, bewies die Ausstellung des VfD: Für das leibliche Wohl gab es Hanf-Cola, Hanf-Bier, Hanf-Nudelgemüse, Linsensalat und Gummibärchen - natürlich auch mit Hanf. Zur Körperpflege stehen Hanföle und Hanfseife zur Verfügung. Derart versorgt, kann man sich in Hanf-Kleidung hüllen und sein Hanf-Kleintierstreu in der Hanf-Tasche nach Hause tragen. Und wem das nicht genug war, der konnte sich in diversen Büchern eingehender informieren.

Neben den Nutzhanfprodukten setzt sich der VfD für eine verantwortungsvolle Drogenpolitik ein. "Ich sehe die Hanfpflanze als eine Medizin. Ein Naturprodukt, das seit Jahrtausenden seine Anwendung findet", erklärte Rolf Galgenmayer-Quatz. Doch statt die Pflanze zu nutzen, setze die Pharmaindustrie alles daran, ihre synthetischen Schmerzmittel auf den Markt zu bringen. Dass der Wirkstoff keineswegs ungefährlich ist, gab Rolf Galgenmayer-Quatz zu: "Auch Cannabis hat seine Nebenwirkungen und ist nicht harmlos." Für ihn gelte jedoch in Anlehnung an Paracelsus: "Die Dosis macht das Gift." Gemäß dieser Auffassung setzt sich der VfD für eine Legalisierung der Droge ein, um gleichzeitig einen sinnvollen Jugendschutz praktizieren zu können.

Eine Auffassung, die auch Theo Pütz, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Drogenpolitik von Bündnis 90/Die Grünen in Nordrhein-Westfalen, bestätigte: "In lizenzierten Geschäften wären die Verkäufer genauso daran gebunden, das Produkt nicht an unter 18-Jährige zu verkaufen, wie sie es bei Alkohol und Zigaretten sind. Dem Dealer ist das egal. Der verkauft auch an Kinder." Teil dieses Konzeptes ist es laut Rolf Galgenmayer-Quatz auch, den Kauf von Alkohol und Tabakwaren ebenfalls erst mit der Volljährigkeit zu gestatten. "Die Kinder fangen heute mit 12 oder 13 mit dem Alkohol an. Nach unseren Plänen wären sie reifer und informierter, bevor sie konsumieren."

Um Betroffenen eine Hilfestellung zu geben, besetzt der VfD mittlerweile regelmäßig Stände auf Partys, wo er Infomaterial über Drogen verteilt. "So bekommen die Jugendlichen erst einmal einen Einblick, was sie sich da überhaupt einwerfen. Bei Einigen haben unsere Informationen bereits bewirkt, dass sie den Drogenkonsum eingestellt haben", berichtete Galgenmayer-Quatz.

Theo Pütz, der während des Hanftags zwei Vorträge hielt, zielt mit seinem Engagement in eine andere Richtung. 1997 zeigte er sich selbst wegen Drogenbesitzes an und hat seitdem intensive Erfahrungen mit Strafverfolgungsbehörden und Verwaltungen gesammelt. Besonders auf den Nägeln brennt ihm die gängige Praxis, dass Betroffenen, die wegen Drogendelikten bestraft werden, automatisch die Fahrfähigkeit abgesprochen wird. Daraus resultiere in vielen Fällen ein Führerscheinentzug und langwierige Verfahren, in denen der Betroffene mit teuren Gutachten beweisen müsse, dass er zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet sei. "Hier werden Existenzen aufs Spiel gesetzt", machte Pütz klar. Größtes Problem sei, dass es keine wissenschaftlichen Kriterien zum Umgang mit Cannabis und dessen Konsum gebe. Daraus resultiere eine Ungleichbehandlung je nach Bundesland.

Nicht zuletzt wegen dieser verworrenen Lage, was den Umgang der Behörden mit Cannabis-Konsumenten angeht, hat sich Pütz zum Ziel gesetzt, den Betroffenen grundlegende Hinweise zum Thema Drogen und Verkehr zu geben. Wichtigste Regel in seinem "Hanfführerschein" ist und bleibt jedoch: Fahre nie unter Drogeneinfluss.