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Grenzfall: Apotheken geben Drogen aus (2003-09-02)

Pubdate: 01/09/2003
Source: Aachener Zeitung
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Grenzfall: Apotheken geben Drogen aus

Den Haag. Für den gebürtigen Amerikaner James Burton war der 1.
September ein historischer Tag. Seit Montag nämlich hat er eine
offizielle Lizenz des niederländischen Staates.

Sie berechtigt ihn dazu, Haschisch und Mariuhana für medizinische Zwecke
anzubauen und zu verkaufen. Auf seiner 1800 Quadratmeter umfassenden
Cannabiszucht in einem Treibhaus in Westland vor den Toren Den Haags
baut der Amerikaner jetzt offiziell «Mediwiet» an, wie das für
medizinische Zwecke angewandte Hasch in Holland heißt.

Die Cannabis-Ernte wird in Säckchen von je fünf Gramm abgefüllt und an
Apotheken geliefert. Dort können sich Patienten, deren Ärzte meinen,
ihre Krankheit oder die Schmerzen der Krankheit würden durch Hasch- oder
Cannabis-Konsum gemildert, den Stoff künftig per Rezept abholen.

Ein neues Gesetz, das am Montag in Kraft trat, macht dies möglich.
«Mediwiet» ist in den Niederlanden fortan eine neue Medizin. «Das ist
eigentlich nichts neues», meint Burton, dessen Betrieb als Stiftung
Medizinisches Mariuhana (Simm) firmiert. Der Mann, der als US-Soldat im
Vietnamkrieg diente und dort seine ersten Joints rauchte, hat sich heute
mit Leidenschaft der Hanfzucht verschrieben.

«Schon 1923 gab es in niederländischen Apotheken Haschisch auf Rezept»,
so Burton. Haschisch kann Medizin sein, behauptet der 55jährige, der
schon seit 35 Jahren die Droge zu sich nimmt.

Mit ihm erhielt ein zweiter Haschzüchter in Holland eine staatliche
Lizenz um künftig Apotheken in den Niederlanden mit Mariuhana versorgen
zu können.

«Reich werde ich davon aber nicht», versichert Burton. «Aber meine
Tätigkeit wird nun endlich legal», freut er sich. Denn bevor er in die
Niederlande kam, saß er in den USA wegen seiner Vorliebe zur Hanfzucht
und zum Haschkonsum ein Jahr im Knast.

Deutsche Apotheker verkaufen nur den Cannabis-Inhaltsstoff Dronabinol

Als Heilmittel soll Cannabis zum Beispiel bei Multipler Sklerose, bei
Übelkeit als Folge einer Chemotherapie oder chronischen Nervenschmerzen
eingesetzt werden. Auch zur Schmerzlinderung bei Krebs und Aids soll es
verwendet werden können.

In Labors wird das Mittel nach niederländischen Regierungsangaben auf
Pestizide, Schwermetalle und auf seine mikrobiologische Qualität
kontrolliert. In Deutschland wird laut Apothekerkammer Nordrhein
lediglich ein Cannabis-Inhaltsstoff - Dronabinol - verschrieben.

«Er ist im Fertigarzneimittel Marinol enthalten und darf vertrieben
werden; die Praxis der Niederlande wäre hier völlig ungesetzlich - schon
eine ärztliche Verschreibung von Cannabis, Marihuana oder eben der
eingedampften Form Haschisch wäre illegal», betont Geschäftsführer
Franz-Josef Schulte-Löbbert.

Er plädiert aber für eine Gesetzesänderung in Deutschland: «Die
Herausgabe von Cannabis über beratende Apotheker ist sicherlich besser
als auf Schulhöfen oder über Tante-Emma-Läden. Wir sind seit Jahren für
eine Legalisierung in geordneten Bahnen.»