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Münchner Kids bei Gewalt und Drogen Spitze (2003-07-12)
12.07.2003

Neue „Pfeiffer-Studie“ über Aggression bei Jugendlichen

Münchner Kids bei Gewalt und Drogen Spitze

Bundesweiter Test zeigt Steigerung der Delikte bei Neuntklässlern –
Ausländerfeindlichkeit in Leipzig am stärksten

Von Anja Burkel

Was Drogen und Gewalt angeht, liegen Münchner Schüler bundesweit auf
einem traurigen ersten Platz. Das jedenfalls geht aus der so genanntên
zweiten Pfeiffer-Studie hervor. Im Jahr 2000 wurden 10000 Neuntklässler
in Hamburg, Hannover, Leipzig, München und Friesland nach ihren
Verhaltensweisen befragt. Die Befragung ist eine Nachfolgestudie der
Pfeiffer- Studie von 1999. Nach der Berufung Christian Pfeiffers zum
niedersächsischen Justizminister initiierte dieser die neue Studie zwar
noch, arbeitete aber nicht mehr als Autor mit. Bereits nach den
Ergebnissen der ersten Studie hatte das Münchner Schulreferat ein
Gesamtprojekt zur Gewalt- und Suchtprävention angekurbelt. Mit mehr
Streitschlichtung unter Schülern, Kreativitäts-Projekten und etwa einer
Anti-Gewalt-Kampagne.

Gewalt hat freilich viele Gestalten – in der Studie wird sie mit
bestimmten Delikten definiert. Bei der Befragung aus der Sicht der Opfer
waren dies: Raub, räuberische Erpressung, sexuelle Gewalt sowie
Körperverletzung mit und ohne Waffe. Die Rate derer, die im Jahr 2000
mindestens einmal Opfer der so definierten Gewalt wurden, ist in München
mit 23,9 Prozent zwar die niedrigste, ebenso wie die Rate derer, die
mindestens einmal auf irgendeine Weise, also auch psychisch, angegriffen
worden waren (22,4 Prozent). Doch bezeichnen sich 5,3 Prozent der
hiesigen Jugendlichen als Opfer von Körperverletzung mit Waffe und 15,3
Prozent ohne Waffe – ähnlich wie in den anderen Städten.

Für die Befragung aus der Sicht der Täter wurde „Gewalt“ mit zwölf
Delikten definiert, zu denen neben Formen der Körperverletzung, Drohung
und Erpressung auch „Einbruch in Gartenlaube“, „Graffiti sprühen“ und
„Schwarzfahren“ zählt. 73,9 Prozent der Münchner Neuntklässler gaben an,
eine der Taten schon mal begangen zu haben – mehr als das Mittel der
anderen Städte (69,4 Prozent). 15,5 Prozent bekennen sich zu mindestens
einer Körperverletzung.

Rang eins belegen die Münchner leider auch, was Drogen und Alkohol
angeht: In München ist die Rate des wöchentlichen bis täglichen Konsums
von Alkohol mit 10,4 Prozent am höchsten, doppelt so hoch wie in
Hamburg, Hannover und Leipzig. Auch die Rate derer, die monatlich oder
häufiger Cannabis konsumieren, ist in München mit 14,8 Prozent am
höchsten. „Bedenklich“, so der Kommentar des Schulreferats – schließlich
hat sich die Rate gegenüber der ersten Pfeiffer-Studie von 1998 mehr als
verdoppelt.

Rang eins belegen hiesige Schüler offenbar auch (gemeinsam mit Hannover)
im Unterrichtschwänzen. 17,9 Prozent der Neuntklässler in den beiden
Städten gaben an, im letzten halben Jahr fünf und mehr Tage geschwänzt
zu haben.

Die Angst vor Gewalt ist dagegen in München geringer als andernorts. Im
Kapitel „Kriminalitätsfurcht und persönliches Sicherheitsgefühl“ wird
referiert, dass der Prozentsatz in München unter Durchschnitt liegt. In
Schulhöfen fühlen sich nur 5,1 Prozent der befragten Münchner nicht
sicher (Friesland: 9 Prozent). Das Unsicherheitgefühl auf dem Schulweg
ist seit der ersten Pfeiffer-Studie auf die Hälfte (4,2 Prozent)
gesunken, das im Klassenzimmer dagegen auf 4,3 Prozent (von 2,8) gestiegen.

Wenigstens bei der Ausländerfeindlichkeit liegen die Münchner –
rühmlicherweise – hinten: Während in Leipzig 26,6 Prozent der
Jugendlichen „als ausländerfeindlich einzustufen“ seien, seien es in
München 16,4 Prozent. Deutsche sind der Studie zufolge häufiger Opfer
als Ausländer. Jungs sind dabei sowohl häufiger Täter als auch häufiger
Opfer als Mädchen. An Haupt- und Gesamtschulen gehe es laut
Pfeiffer-Studie überdurchschnittlich gewalttätig zu; was psychische
Gewalt angeht, zeigt sich zu den Gymnasien allerdings kaum ein Unterschied.

Source: Süddeutsche Zeitung
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Copyright: © Süddeutsche Zeitung
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