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USA: Kampfpiloten unter Drogen (jw, 2003-06-18)
Wer in Deutschland auch nur ein einziges Mal Amphetamine konsumiert, ist – falls die Führerscheinstelle davon erfährt – auf Dauer seinen Führerschein los. Ist sein Arbeitgeber dagegen die US-Luftwaffe und fliegt der Betreffende einen B-2-Tarnkappenbomber (Stückpreis: 2,1 Milliarden Dollar), dann muß er damit rechnen, dass er das Aufputschmittel auf Befehl schlucken muß. Schon Hitler hielt sich mit dieser Droge für nächtliche Stabsbesprechungen wach. Sie wurde im zweiten Weltkrieg auf allen Seiten an Soldaten und Kampfpiloten verteilt. Auch die zwei US-Piloten, die am 17. April 2002 während eines Nachtflugs in Afghanistan eine 220 kg-Bombe auf kanadische Verbündete am Boden abwarfen, hatten auf Befehl "Speed" genommen, um Müdigkeit zu überwinden.

Als 1999 die USA von der Whiteman Air Force Base im Bundesstaat Missouri aus den B-2-Bomber im Kosovo-Krieg einsetzte, war die Besatzung jeweils volle 30 Stunden im Dauereinsatz. Im Jahre 2001 setzte eine B-2-Besatzung mit einem 44-stündigen Langstreckeneinsatz einen Rekord, als sie von Missouri über den Atlantik nach Afghanistan flogen, um nach erfolgter Bombardierung des zentralasiatischen Landes auf dem britischen Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean zu landen. Möglich sind solche Marathon-Einsätze nur durch die kleinen orangen Dexedrin-Pillen, die etwa alle vier Stunden geschluckt werden. Die Piloten nennen sie "go pills". Um nach dem Drogen-Einsatz wieder einschlafen zu können, schlucken sie entgegengesetzt wirkende "no-go pills", ähnlich den Partydrogenkonsumenten, die sich mit Ecstasy und Speed aufputschen und dann mit Cannabis wieder "herunterbringen".

Militärärzte sind der Meinung, dass der Einsatz von Aufputschmitteln ein geringeres Risiko darstellt als Müdigkeit im Cockpit, einer der häufigsten Unfallursachen bei Militärpiloten. Andererseits sollen die Pillen die Risikobereitschaft steigern und das Urteilsvermögen beeinträchtigen.

Über den Amphetamin-Einsatz der US-Streitkräfte berichtet am kommenden Mittwoch (25.06.2003) im ARD um 23:00 Uhr ein Film des Norddeutschen Rundfunks – ironischerweise zu einem Sendezeitpunkt, der bis vor kurzem noch für eine Sendung mit Michel Friedman vorgesehen war, gegen den wegen Verdachts auf unerlaubten Kokainbesitz ermittelt wird.

The U.S. Military Needs Its Speed [wired.com, 10.02.2003]
Drogen in den USA