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ALKOHOL-EXZESSE Wie US-Studenten sich um den Verstand saufen (2003-01-17)

An US-Universitäten hat sich der Vollrausch als Hauptfach etabliert.
Fast jeder zweite Student ignoriert einer Harvard-Studie zufolge
regelmäßig seine natürliche Füllhöhe und ist exzessiver Trinker. Mit
lebensgefährlichen Folgen: Saufen, bis der Arzt kommt - nur kommt der
nicht immer rechtzeitig.

Skurrile Trinksitten gibt es an Universitäten fast überall in der Welt.
Die Jungakademiker an ehrwürdigen britischen Nobel-Hochschulen wie in
Oxford und Cambridge etwa liefern sich regelrechte Wettkämpfe beim
Bierkonsum; auch bei der "bizutage" als Einführungsritual für
französische Uni-Neulinge fließt reichlich Alkohol.

An den amerikanischen Hochschulen indes geht es noch etwas heftiger zu:
44 Prozent der 12 Millionen amerikanischen Nachwuchsakademiker sind
"exzessive Alkohol-Konsumenten". Das zeigt eine Untersuchung, die das
National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism an der Universität
Harvard in Auftrag gegeben hat. Demnach kommen jährlich rund 1400
US-Studenten im Suff ums Leben. Davon sterben 1100 im Straßenverkehr,
die übrigen fallen aus Fenstern, ertrinken oder wachen nach einer
durchzechten Nacht einfach nicht mehr auf. Eine halbe Million
Hochschüler landet alkoholbedingt im Krankenhaus.

21 Glas Whiskey am 21. Geburtstag

Damit endet die Liste noch längst nicht: Über 600.000 amerikanische
Studierende werden jährlich in den USA von betrunkenen Kommilitonen
angegriffen, 400.000 haben ungeschützten Sex, 70.000 Studentinnen werden
vergewaltigt oder sexuell belästigt - alles nach zu viel Alkohol. Jeder
vierte Student sieht einen Zusammenhang zwischen übermäßigen
Alkoholgenuss und Problemen am College.

Erschreckende Zahlen - in ihrer aktuellen Ausgabe fragt die "Zeit" nach
den Gründen für das Gebecher an den Unis. Experten nennen die laxe
Erziehung, aber auch den gleichgültigen Umgang der Colleges mit dem
Problem der Saufwut ihrer Studenten. Eine Rolle spielt offenbar auch,
dass Alkoholkonsum in den USA erst ab 21 Jahren erlaubt ist. Und dass
die gerade volljährigen Studenten deshalb erst recht über die Stränge
schlagen.

Die bizarre Freizeitgestaltung bestimmen zu einem erheblichen Teil die
Studentenverbindungen (Fraternities) mit. Diese Bruder- und
Schwesternschaften sind für einige besondere Trinksitten
berühmt-berüchtigt, etwa für das "21 for 21"-Spiel, bei dem die
Studenten 21 (in Worten: einundzwanzig) Glas Whiskey an ihrem 21.
Geburtstag trinken müssen. Wer nicht mitmacht, gilt als Außenseiter. Das
Motto: Saufen, bis der Arzt kommt. Wenn er denn rechtzeitig kommt -
bereits in mindestens fünf Bundesstaaten gab es bei diesem merkwürdigen
Ritual Todesopfer, wie die "Zeit" berichtet.

Ihren Höhepunkt finden die Alkoholexzesse alljährlich im März. Dann
nämlich findet der so genannte "Spring Break" statt: Die Universitäten
der Vereinigten Staaten schließen für eine Woche, und Hunderttausende
von Studenten sammeln sich in den Strandorten Floridas und Mexikos zum
Party-Marathon. 24 Stunden wird durchgefeiert - und durchgesoffen.

Am meisten trinken die "Freshmen", die Neulinge an den Colleges, Jungs
immer noch mehr als Mädchen, vielleicht um ihre Unsicherheit in der
neuen Umgebung zu kompensieren. Zu den größten Trinkern zählen
ausgerechnet die Sportler. Zivilisierter dagegen verhalten insbesondere
Studenten an religiösen Unis und an Colleges, die vorwiegend von
Schwarzen besucht werden.

Warum sich die Amis so gerne ihre Gehirnzellen wegspülen, klärt die
Studie jedoch nicht. Aufklärung tut not. Denn "der Schaden, den
Studenten sich und anderen durch exzessives Trinken zufügen, übersteigt
die Erwartungen der meisten", warnt Ralph W. Hingson, Professor für
Sozialforschung in Boston.

http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,231017,00.html />