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Tödliche Sucht - Mehr Hilfe (2003-01-04)

Tödliche Sucht
Mehr Hilfe

Gute Nachrichten sind selten in diesen Tagen. Deshalb sollte man sich über 
diese gute Nachricht freuen. Wie 2001 ist auch im vergangenen Jahr die Zahl 
der Drogentoten abermals gesunken. Binnen zweier Jahre sind im Südwesten 
rund ein Drittel weniger Drogentote zu beklagen. Eine erfreuliche 
Entwicklung gewiss, aber wo liegen die Gründe?

Eine einfache, eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht. Doch scheint 
die Entwicklung jenen Recht zu geben, die eine bessere Betreuung von 
Abhängigen fordern, auch dann, wenn sie Drogen nicht abschwören. Der 
auffällige Rückgang in den Städten, wo es mehr und differenziertere 
Hilfsangebote gibt als im ländlichen Raum, ist ein Hinweis darauf. Süchtige 
nicht nur als Kriminelle zu verfolgen, sondern ihnen als Kranken einen Weg 
zum Überleben zu weisen - dieser Ansatz kann für die erfreuliche 
Entwicklung verantwortlich sein. Es mutet deshalb schon befremdlich an, 
dass das von der CDU geführte Innenministerium dies als "vereinfachenden 
Erklärungsansatz" brandmarkt. Der Verdacht drängt sich auf, dass nicht wahr 
sein darf, was politisch nicht wahr sein soll.

Die Drogenpolitik ist eben auch ein Konfliktstoff in der schwarz-gelben 
Landesregierung. Die CDU lehnt so genannte Fixerstuben ab und unterstützt 
den Modellversuch mit kontrollierter Heroinabgabe in Karlsruhe nicht, die 
FDP befürwortet beides. Die neuen Zahlen werden diesem politischen Streit 
Nahrung geben. Dazu wird auch der nach wie vor hohe Anteil von Drogentoten 
beitragen, die zuvor das Ausweichmittel Methadon genommen haben. Dies 
spricht indes nicht gegen diese Methode. Hilfsangebote sind eben nur 
Angebote, die nicht bei jedem Erfolg garantieren. Auch diese bittere 
Erkenntnis spricht letztlich dafür, den ideologischen Streit zu beenden und 
pragmatisch Wege der Hilfe zu öffnen, auch wenn sie nicht alle aus der 
Sackgasse führen.

So erfreulich die abnehmende Zahl der Drogentoten ist, sie ist nach wie vor 
viel zu hoch. Suchtopfer, und dazu zählen auch die Konsumenten legaler 
Drogen, wird eine freie Gesellschaft letztlich nicht verhindern können. Der 
hohe Anteil junger Spätaussiedler unter den Verstorbenen macht aber 
deutlich, dass es neben persönlichen auch gesellschaftliche Gründe gibt. 
Hilfe ist möglich.


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