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Ein Joint doch nicht so gefaehrlich ? (2002-12-09)
Leserbrief zu
"Ein Joint schadet soviel wie sieben Zigaretten"
(Deutsche Apotheker Zeitung, Nr. 49/2002, 5.12.2002)

Dass ein Joint so schädlich sei wie sieben Zigaretten hat der
Cannabis-Bericht der britischen Lungengesellschaft (BLF) nicht behauptet.
Dieses Zahlenverhältnis in der BLF-Studie bezieht sich nämlich nicht auf die
zwei häufigsten tödlichen Lungenkrankheiten, die bei Tabakkonsumenten
auftreten, Lungenkrebs und Emphysema. Vielmehr stellt die Studie fest, dass
die Studienergebnisse bei Cannabis zu diesen Krankheiten widersprüchlich
seien, bzw. dass ein Zusammenhang nicht definitiv nachgewiesen sei.

Die Autoren stellten eine Äquivalenz von 3 bis 4 Cannabis-Joints pro Tag mit
20 Zigaretten oder mehr nur beim Risiko akuter und chronischer Bronchitis
sowie bei der Reizung der Bronchial-Schmleimhäute her. Dabei stützen sie
sich offensichtlich auf eine Studie von Dr Tashkin im Jahre 1987,[1] der
jedoch selbst nie behauptet hat, dass 3 bis 4 Joints so schädlich seien wie
20 Zigaretten und entsprechende Interpretationen seiner Studie ausdrücklich
abgelehnt hat. Er hatte 144 Cannabisraucher (durchschnittlich 3,9 Joints pro
Tag) mit einer Kontrollgruppe von 70 Zigarettenrauchern (22 Zigaretten pro
Tag) verglichen und fand bei beiden Gruppen einen ähnlich erhöhten Anteil
von Personen mit chronischer oder akuter Bronchitis. Aus den nur zwei
Datenpunkten in der Studie ist die Ableitung eines Schädlichkeitsfaktors
nicht möglich, da nicht feststeht, ob dieses Risiko direkt proportional zum
Konsum wächst oder nicht und welche anderen Unterschiede zwischen den
Gruppen existierten. Die grosse Mehrzahl der Cannabiskonsumenten konsumiert
weit weniger als die von Dr. Tashkin untersuchte Gruppe. Personen, die auch
nur an mindestens 20 der letzten 30 Tage mindestens einmal Cannabis
konsumiert haben, machten in der Repräsentativumfrage 2001 des Instituts für
Therapieforschung, München nur etwa ein Fünftel der regelmässigen
westdeutschen Cannabiskonsumenten aus, während andererseits ein täglicher
Konsum von 20 Zigaretten und mehr unter Zigarettenrauchern fast die Norm
ist.[2]

Ebenfalls fragwürdig ist die Aussage, Cannabisrauch enthalte 50% mehr
karzinogene Stoffe als Zigarettenrauch. Dafür fehlt schlicht die
Bezugsgrösse, denn Studien haben ergeben, dass der Anteil krebserzeugender
Stoffe im Tabakrauch je nach Marke um einen Faktor von 7 bis 9 schwankt.[3]

Auch ist zu berücksichtigen, dass von Cannabisblüten oder -harz mit hohem
THC-Gehalt bereits eine Menge für eine psychoaktive Wirkung reicht, die
weniger als ein Zehntel des Tabaks in einer Zigarette wiegt. Ein höherer
Wirkstoffgehalt von Cannabis, vor dem in der Studie gewarnt wird, erhöht das
gesundheitliche Risiko beim Rauchen nicht, sondern verringert es.

Die obengenannten Risiken beim Rauchen lassen sich durch orale Aufnahme
komplett vermeiden. Das Problem dabei ist jedoch die mangelhafte
Dosierbarkeit, wie auch viele Patienten berichten, die Dronabinol
(synthetisches THC in Pillenform) medizinisch verwenden. GW Pharmaceuticals
plc in Grossbritannien erprobt zur Zeit ein gut dosierbares Cannabis-Spray
zur medizinischen Inhalation.[4] Bereits heute verfügbar sind Vaporisierer,
die die selbe gute Dosierbarkeit wie beim Rauchen bieten, ohne die damit
verbundenen Risiken. Eine schadensminimierende Drogenpolitik würde
Konsumenten sachlich über bestehende Risiken aufklären und
risikominimierende Konsumformen erforschen, statt beschränkte öffentliche
Mittel mit seit Jahrzehnten wirkungsloser Repression zu vergeuden.

Joe Wein
Verein für Drogenpolitik e.V.

[1] Tashkin, DP, Coulson, AH, Clark, VA, et al, 1987, Respiratory symptoms
and lung function in habitual, heavy smokers of marijuana alone, smokers of
marijuana and tobacco, smokers of tobacco alone and nonsmokers, Am Rev
Respir Dis 135, 209-216
[2] Kraus, L., Augustin, R.: Repräsentativerhebungen zum Gebrauch
psychoaktiver Substanzen bei Erwachsenen in Deutschland 2000, Sucht 47.
Jahrgang, Sonderheft 1, September 2001
[3] http://www.ash.org.uk/html/regulation/html/cannabisblf.html
[4] http://www.gwpharm.com

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Deutsche Apotheker  Zeitung
Nr. 49/2002   5.12.2002

Cannabis

Ein Joint schadet soviel wie sieben Zigaretten

Das Rauchen eines einzigen Joints ist nach Ansicht von britischen
Wissenschaftlern für die Lunge so schädlich wie der Konsum von sieben
Zigaretten. Werden Tabak und Cannabis gemeinsam geraucht, sieht es für die
Lunge noch schlechter aus. Laut Untersuchung soll der Teergehalt von
Cannabis um 50 Prozent mehr Karzinogene enthalten als Tabak.

Die britische Lungengesellschaft brachte vor kurzem einen Bericht heraus, in
dem sie zu dem Ergebnis kommt, dass das Rauchen von Cannabis für die Lunge
weitaus gefährlich ist als das Rauchen von Zigaretten. Ebenfalls geht aus
dem Bericht hervor, dass zwischen tatsächlicher und angenommener Gefahr eine
breite Kluft klafft.

Einer Umfrage zufolge sind 79 Prozent der Cannabis-Konsumenten der Meinung,
dass das Rauchen von Cannabis sicher und gesund ist. Nur zwei Prozent
schätzen die Risiken des Cannabis-Konsums richtig ein. "Für einige Menschen
ist unser Bericht sicherlich überraschend. Viele glauben, dass Cannabis
gesünder ist als Tabak", kommentierte Mark Britton, Vorsitzender der British
Lung Foundation, gegenüber dem Nachrichtendienst BBC.

Nach Meinung der Wissenschaftler liegt die Gefahr in der intensiven
Inhalation von Joints, da dadurch größere Mengen von Teer und Kohlenmonoxid
in die Lunge gelangen. Die Lung Foundation will Cannabis in den kommenden
Jahren näher untersuchen. ral

Quelle: www.lunguk.org