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Heroin

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Flyer der AWO Karlsruhe
1 Jahr Heroin Modellprojekt:
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Bei Heroin denkt fast jeder an "Drogentote". Die Toten sind tragische Zeugen des Scheiterns der herrschenden Kriminalisierungspolitik. Tote haben keine Chance mehr auf ein drogenfreies Leben. Diese Todesfälle wären weitgehend vermeidbar. Je härter die Strafverfolgung, desto mehr Todesfälle gibt es in der Regel auch, auch da die Konsumenten in ihren Verstecken oft allein und ohne die Möglichkeit zur eigentlich relativ problemlosen Wiederbelebung durch Luftzufuhr sterben.

Reines Heroin schädigt den Körper kaum. Hohe Preise und Verschnitt mit Streckmitteln fördern allerdings den Beikonsum von Alkohol, und Beruhigungs- und Schlafmitteln (Benzodiazepine), dem häufigsten Grund für Todesfälle durch Atemdepression. Ein Drittel aller Todesfälle ereignen sich kurz nach einer Abstinenztherapie oder Inhaftierung. Der Körper ist dann dem Heroin weitest gehend entwöhnt und eine kritische Dosis ist - insbesondere angesichts alter Gewohnheiten - schnell erreicht.

Diamorphin (Diacetylmorphin, DAM) wurde 1874 von einem britischen Chemiker synthetisiert und im Jahre 1898 von der Firma Bayer als Hustenmittel unter dem Handelsnamen Heroin auf den Markt gebracht. Auch als Schmerzmittel fand es Verwendung. In Jahre 1929 wurde Heroin dann in Deutschland verboten . In Grossbritannien ist Diamorphin nach wie vor medizinisch verschreibbar und wird alternativ zu Morphin zur Schmerzbehandlung eingesetzt - sogar bei Kindern. Diamorphin wird im Körper zu Morphin umgebaut. Die Wirkung der beiden Stoffe ist sehr ähnlich, wobei Diamorphin jedoch schneller vom Blut ins Gehirn gelangt. Dies verursacht dann den berühmt-berüchtigten Kick.

Diamorphin hat u.a. eine schmerzlindernde, euphorisierende, angstlösende Wirkung.Bei regelmässigem Konsum werden zunehmend höhere Dosierungen benötigt, umdie selben Wirkungen zu erzielen. Nach längerem täglichem Gebrauch treten beim Absetzen Entzugserscheinungen auf, die beim erneuten Konsumverschwinden (Heroinsucht). Diese körperliche Abhängigkeit verschwindet nach einer Abstinenzperiode wieder, steigert sich jedoch mit jedem Entzug. Im fortgeschrittenen Stadium des Heroingebrauchs kann dann durchaus schon eine einzelne Dosis hernach leichte Entzugserscheinungen auslösen. Anfänger benötigen aber gewiss mehr als ein bis zwei Wochen, um entsprechende Symptome zu entwickeln.

Etwa 120.000 bis 150.000 Menschen in Deutschland spritzen Heroin und sind zum Teil auch davon stark abhängig. Ungefähr die gleiche Zahl konsumiert es - nach Schätzungen - gelegentlich oder regelmässig ohne körperlich abhängig zu sein. Neben dem Spritzen ist auch das Schnupfen oder das Inhalieren der Dämpfe ("Folie rauchen") zunehmend verbreitet.

Obgleich sich bei vielen Konsumenten hartnäckig der Glaube hält, wenn man H nicht spritze, werde man auch nicht abhängig, ist dies natürlich ein Irrtum. Es gibt durchaus nicht wenige planvolle Fixer - und planlose H-Raucher. Ein kontrollierter Umgang mit der Substanz scheint also möglich zu sein. Trotzdem ist aber von Selbstversuchen deutlich abzuraten!

Die meisten Probleme mit Opiaten sind eine Folge der Verbote. Hohe Schwarzmarktpreise treiben abhängig gewordene Drogenkonsumenten in die Beschaffungskriminalität und Prostitution. Unhygienische Zustände beim Konsum - hier wäre primär das gemeinsame Nutzen der Spritzbestecke zu nennen - führen zur Verbreitung von Infektionen (HIV, Hepatitis B und C).

Hier muss Drogenpolitik endlich pragmatische und echte Überlebenshilfe werden. Konsumräume und die z.Zt. in verschiedenen Grosstädten anlaufende Heroin-Abgabe scheinen da Schritte in die richtige Richtung zu sein.